Knieschmerzen/Kniescheibe/ Chondropathia Patellae
Meine Kniescheibe schmerzt – Wie werde ich das Problem wieder los?
Vordere Knieschmerzen haben meistens eine Überlastung als Ursache. Dem Teufelskreis “Schonen, Trainigsverlust, mehr Schmerzen” kann man nur durch ein streng strukturiertes, niedrig dosiertes Training entkommen. Vier Regeln müssen jedoch befolgt werden.
Kniescheibenschmerzen sind häufig und sie beruhen meistens auf einer Überforderung dieses unscheinbaren aber wichtigen Gelenks. Heikel sind immer Belastungen, die über den aktuellen Trainingszustand des Kniescheibengelenks hinaus gehen. (vgl. Praxisblog 26.5.2010). Viele langwierige Verläufe zeigen, dass sich auch ohne grosse Fehler eine verzögerte Erholung oder gar eine zunehmende Verschlechterung einstellt. Wie kommt das?
Im Kern geht es darum, dass wir allzu häufig von unserem Körper mehr wollen, als er im Moment leisten kann. Wenn wir dann jeweils sofort eine Rückmeldung erhalten würden „Stopp, das ist zuviel!“, dann gäbe es selten grössere Probleme. In der Realität ist es aber leider so, dass Schmerzen als Überlastungszeichen häufig erst nach Stunden oder noch häufiger am nächsten Tag sich melden. Solange braucht es, bis sich die Entzündungsreaktion als Folge der Überlastung ausgebildet hat. Fatal ist es, wenn sich dieser Ablauf als Teufelskreis mehrfach wiederholt, dann kann schon des Treppensteigen über kurze Distanz zu viel sein. Wie kann man diesen Teufelskreis verlassen?
Schonen alleine führt bei länger bestehenden Problemen selten zum Ziel. Das Kniescheibengelenk beruhigt sich zwar, es kommt aber gleichzeitig zu einem Trainingsverlust. Damit ist die Chance gross, dass man unverhofft in der nächsten Überlastungsrunde landet. Erfolgversprechender ist ein achtsamer, niedrig dosierter Trainingsaufbau. Das gelingt aber nur, wenn man sich konsequent an ein paar Regeln hält:
Regel 1: Bestimmung des aktuellen Belastungsbudgets
Welche Belastung kann ich bewältigen ohne dass es nachher oder am anderen Tag zu einem erhöhten Reizzustand kommt? An diese sinnvolle Belastungsdosis muss man sich von unten schrittweise annähern. Bisweilen ist allerdings die Dosis unerträglich niedrig. Wer mag sich schon umziehen um fünf Minuten zu joggen? Da kann die Kombination mit einer im Moment unproblematischen Aktivität weiterhelfen. Wie wäre es mit einer Walkingeinheit mit eingestreuten Micro –Jogging – Stücken? (vgl. dazu das „Bankkontomodell” im Blogbeitrag vom 17.10.2009)
Regel 2: Steuerung nach Erfahrungswerten statt nach Schmerzen
An dieser ermittelten Belastungsdosis und anderen Erfahrungswerten muss man sich beim weiteren Aufbau orientieren. Wer sich darauf verlässt, dass er während der Belastung anhand von Schmerzen schon merkt, wenn es zuviel wird, der spielt Roulette und muss sich nachher nicht über eine Verschlechterung der Situation wundern. (vgl. dazu das „Leitplankenmodell” im Blogbeitrag vom 17.12.2009)
Regel 3: Langsamer und stufenweiser Belastungsaufbau
Ein einfaches Belastungsschema für den Aufbau kann so aussehen: Alle zwei Tage eine bewährte Belastung für 10 bis 14 Tage und anschliessend eine moderate Erhöhung. Das Prinzip „keine spürbar verstärkte Reizung nach dem Training und auch nicht am anderen Tag“ bleibt sich gleich.
Regel 4: Keine übermütigen Übertreibungen
Eine immer vorhandene Klippe ist der Übermut. Wie schnell passiert es, dass man, weil es sich gerade so schön und schmerzfrei läuft, schwimmt oder fährt, alle Vorsätze vergisst und auf eine Zusatzrunde einschwenkt. Hinkend bereut man die Unachtsamkeit am anderen Morgen zutiefst.
Neben diesem gezielten Aufbauprogramm können je nach Ausmass und Dauer der Problematik Zusatzmassnahmen angesagt sein. Ein Muskelaufbauprogramm, ein Koordinationstraining und gezielte Taping-Anwendungen in der Physiotherapie können die Steuerung der Kniescheibe durch die knienahen Muskeln verbessern. Die Behandlung von Triggerpunkten in der Muskulatur, spezielle Massagetechniken und trockene Bürstenmassagen können die Heilungsprozesse im Gewebe unterstützen. Alle diese Massnahmen helfen aber nur sehr beschränkt, wenn die vier entscheidenden Punkte beim Trainingsaufbau nicht eingehalten werden.
Weitere Artikel zu den Themen "Überlastungsfolgen", "Gelenke/Bänder", "Sehne/Muskulatur" und "Training/Belastung" lesen.
23.03.2011 at 12:09
Guten Tag Herr Reich,
ich möchte mich nochmals für die Konsultation bedanken. Sie wahr lehreich und ich hoffe auch hilfreich. Ein Anliegen noch zum Trainingsprogramm: haben Sie das auch in schriftlicher Form, das würde mir helfen bei der Umsetzung. Mit freundlichen Grüssen
26.03.2011 at 16:11
Guten Tag Herr Giacomello
Ich habe ein Video mit dem Knieprogramm auf YouTube gestellt. Sie finden es unter
Viel Erfolg dem Aufbautraining und herzliche Grüsse
Christoph Reich
18.03.2012 at 21:14
Sehr geerter Herr Reich.
Ich habe seit 2 Wochen Schmerzen im vorderen seitlichen Teil meines Knies hauptsache ím Weichbereich, ich vermute dass ich mein Knie überfordert habe, da ich im Winter nicht radfahren gehe dachte ich, dann mache ich eben Fusstouren und das habe ich dann auch gemacht. Zuerst bin ich kleinere Strecken gelaufen und meisten immer sehr steil bergauf und dann wieder hinunter, das waren zuerst 6 km dann habe ich es gesteigert und zuletzt habe ich 15 km gemacht bergauf im Schnee auf Naturstrassen im Wald. Jetzt habe ich Probleme beim Treppensteigen und habe nachher immer starken Schmerzen.
Mit freundlichen Grüssen
H. Koller
22.03.2012 at 19:13
Guten Tag Herr Koller
Alles spricht dafür, dass Ihre Eigendiagnose stimmt. Auf Distanz ist es schwierig zu entscheiden, ob es auch bei Ihnen um
die Kniescheibe geht. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch gross, da eine schmerzhafte Kniescheibe häufig auch vorn/seitliche
Schmerzen verursachen kann.
Die Situation anzugehen, mit dem in diesem Blog beschriebenen Belastungsaufbau ist in keinem Fall falsch. Wenn es nicht
funktionert, braucht es dann doch eine Untersuchung.
Viele Grüsse
Christoph Reich