Achillessehne/Achillodynie
Wieso sind Entzündungen der Achillessehne so unberechenbar und anhänglich?

Achillessehenentzündungen haben einen schlechten Ruf. Sie kommen aus heiterem Himmel, wollen einfach nicht heilen und werden häufig chronisch. Verstehen, was dahinter steht, ist der erste Schritt zur erfolgreichen Heilung und zur Vorbeugung

Für einmal kann ich es mir einfach machen. Besser als in meiner NZZ-Kolumne „Das Achillessehenenprogramm“ kann ich das Grundproblem bei der Achillessehenenenzündung (in der Fachsprache: „Achillodynie“) nicht auf den Punkt bringen. Schauen Sie sich doch zuerst mal den entsprechenden Blogbeitrag an.

Alles klar? Unberechenbar ist die Achillessehnenentzüdung nur solange man den Teufelskreis „zu hohe Belastung und verzögerte Entzündungsreaktion“ nicht durchschaut hat.

Und was ist mit den häufig bei Achillessehenenproblemen angeschuldigten Sündenböcken: Die Überpronation, der falsche Schuh, der falsche Laufstil, eine Beinlängendifferenz, fehlende Einlagen für den Knicksenkfuss, sollen die denn plötzlich keine Rolle mehr spielen? Alle diese Punkte können natürlich einen Einfluss auf die Beanspruchung der Achillessehne haben. Als alleinige Erklärung für die Achillodynie taugen sie aber meistens nicht, weil unser Körper sich, wenn wir ihm Zeit lassen, an die meisten Belastungen und damit auch an Abweichung vom Idealzustand anpassen kann. Wenn Sie dazu mehr wissen wollen, dann können sie auch diese NZZ-Kolumne noch ansehen. Empfindlich reagiert der Körper hingegen, wenn wir von ihm etwas verlangen, was er nicht gewohnt ist, wofür er nicht die Zeit hatte, sich anzugewöhnen.

Anhänglich sind Achillessehnenbeschwerden unter anderem auch, weil die Sehne und der Sehnenansatz aus mechanisch hochbelastbarem aber stoffwechselmässig relativ schlecht versorgtem Bindegewebe besteht. Reizzustände, aber auch Verletzung an Sehnen heilen deshalb immer sehr langsam ab. Damit bleibt auch viel Zeit, um die Sehne beim Heilungsprozess mit nicht angepassten Belastungen zu stören. Eine ideale Voraussetzung für einen lang dauernden Teufelskreis.

4 Kommentare to “Achillessehne/Achillodynie
Wieso sind Entzündungen der Achillessehne so unberechenbar und anhänglich?”

  1. Ute Hock schrieb:

    Genau diese Punkte bringen es auf den Punkt.

    Ich habe ihre Empfehlungen jetzt seit März 2011 umgesetzt. Erfolge konnten wir ja bei den jeweiligen Untersuchungen feststellen.

    Abstürze gab es auch immer wieder mal aus verschiedenen Gründen.
    Einmal waren es die wirklich falschen Laufschuhe, dann eine zu schnelle Belastungssteigerung (Länge des Laufes, Tempo).

    Auch ungeplante Laufpausen (Urlaube ohne Lauftraining) wirkten sich negativ aus.

    Man darf die erwähnten ÜBUNGUNGEN nicht vernachlässigen und auch die Bürstenmassage trägt zur Heilung bei, da sie den Stoffwechsel im Sehnengewebe anregt.

    Wenn wieder Beschwerden auftreten, weiss ich mir zu helfen. Ich habe alles dokumentiert, was ich seit März unternommen habe.

    Wichtig ist, ganz genau in sich hinein zu hören und sich nicht verleiten zu lassen, nach einem beschwerdefreien, folgenlosen Lauf die Intensität zu sehr zu steigern.

  2. creich schrieb:

    Vielen Dank für die Hinweise aufgrund ihrer Erfahrungen. Das motiviert andere, die notwendige Geduld aufzubringen! Weiterhin viel Spass beim Laufen!

  3. FERNAND ROHNER schrieb:

    Vorbemerkung: Ich bin 72, 74 kg schwer, leidenschaftlicher Alpinist und gehe durchschnittlich 4 mal pro Woche eine halbe Stunde joggen.
    Vor 2 Monaten handelte ich mir vermutlich durch übermässiges Seilhüpfen eine Achillessehnen-Entzündung ein. Ich konnte ab sofort nicht mehr joggen, sogar das Gehen war nur einige Meter möglich, und auch nur mit Schmerzen. Ich glaubte, mit Massage und Wechselbädern das Problem zu lösen. Es wurde nur noch schlimmer…
    Vor einem Monat suchte ich also, als die Sehne bereits dicker war als die am gesunden Fuss, einen Sepzialisten auf, der mir Schuheinlagen unter beiden Fersen (ca. 1m dick) und absolute Schonung während einigen Monaten empfahl.
    Seither kann ich wieder schmerzfrei gehen, aber ich hüte mich davor, in den nächsten Monaten die Belastung wesentlich zu erhöhen, denn: Ein Rückfall bedeutet, wieder bei Null anzufangen! Das Aufbautraining (Dehnen-Gehen, leichtes Joggen) muss ausserordentlich sachte angegangen werden. Der leiseste Schmerz ist bereits Anzeichen von Überlastung! Man muss der Achillessehne wie jeder Sehne im Körper vor allem Zeit für die Regenerierung geben. (Früher operierte man doch jede gerissene Sehne, heute fast nicht mehr…)

    Meine Empfehlung: SOFORT einen Spezialisten aufsuchen und nicht zuwarten, wie ich es getan hatte… Die Achillessehne ist einfach zu wichtig, wenn man Sport treiben will.
    Und: Medikamente (z.B. Voltaren gegen die Entzündung)) nützen nur im Anfangsstadium.

  4. creich schrieb:

    Vielen Dank für den Beitrag, Herr Rohner.
    Zwei Bemerkungen meinerseits:
    1. Der dosierte Belastungsaufbau ist in der Tag eine Gratwanderung. Schonen alleine löst das Problem allerdings meistens nicht, die Sehen muss sich sukzessive wieder an die Belastung gewöhnen.
    2. Eine Absatzerhöhung ist in ganz akuten Fällen durchaus eine gute Option. Es braucht allerdings dann eine stufenweise Reduktion der Erhöhung, damit auch unter normalen Umständen wieder eine normale Belastbarkeit erreicht werden kann.

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