Knieschmerzen/Kniescheibe/ Chondropathia Patellae
Meine Kniescheibe schmerzt – Wie werde ich das Problem wieder los?

Vordere Knieschmerzen haben meistens eine Überlastung als Ursache. Dem Teufelskreis „Schonen, Trainigsverlust, mehr Schmerzen“ kann man nur durch ein streng strukturiertes, niedrig dosiertes Training entkommen. Vier Regeln müssen jedoch befolgt werden.

Kniescheibenschmerzen sind häufig und sie beruhen meistens auf einer Überforderung dieses unscheinbaren aber wichtigen Gelenks. Heikel sind immer Belastungen, die über den aktuellen Trainingszustand des Kniescheibengelenks hinaus gehen. (vgl. Blog „Mein Knie schmerzt“). Viele langwierige Verläufe zeigen, dass sich auch ohne grosse Fehler eine verzögerte Erholung oder gar eine zunehmende Verschlechterung einstellt. Wie kommt das?

Im Kern geht es darum, dass wir allzu häufig von unserem Körper mehr wollen, als er im Moment leisten kann. Wenn wir dann jeweils sofort eine Rückmeldung erhalten würden „Stopp, das ist zuviel!“, dann gäbe es selten grössere Probleme. In der Realität ist es aber leider so, dass Schmerzen als Überlastungszeichen häufig erst nach Stunden oder noch häufiger am nächsten Tag sich melden. Solange braucht es, bis sich die Entzündungsreaktion als Folge der Überlastung ausgebildet hat. Fatal ist es, wenn sich dieser Ablauf als Teufelskreis mehrfach wiederholt, dann kann schon des Treppensteigen über kurze Distanz zu viel sein. Wie kann man diesen Teufelskreis verlassen?

Schonen alleine führt bei länger bestehenden Problemen selten zum Ziel. Das Kniescheibengelenk beruhigt sich zwar, es kommt aber gleichzeitig zu einem Trainingsverlust. Damit ist die Chance gross, dass man unverhofft in der nächsten Überlastungsrunde landet. Erfolgversprechender ist ein achtsamer, niedrig dosierter Trainingsaufbau. Das gelingt aber nur, wenn man sich konsequent an ein paar Regeln hält:

Regel 1: Bestimmung des aktuellen Belastungsbudgets

Welche Belastung kann ich bewältigen ohne dass es nachher oder am anderen Tag zu einem erhöhten Reizzustand kommt? An diese sinnvolle Belastungsdosis muss man sich von unten schrittweise annähern. Bisweilen ist allerdings die Dosis unerträglich niedrig. Wer mag sich schon umziehen um fünf Minuten zu joggen? Da kann die Kombination mit einer im Moment unproblematischen Aktivität weiterhelfen. Wie wäre es mit einer Walkingeinheit mit eingestreuten Micro –Jogging – Stücken? (vgl. dazu das „Bankkonto-Modell“ im Blogbeitrag vom 25.11.2014)

Regel 2: Steuerung nach Erfahrungswerten statt nach Schmerzen

An dieser ermittelten Belastungsdosis und anderen Erfahrungswerten muss man sich beim  weiteren Aufbau orientieren. Wer sich darauf verlässt, dass er während der Belastung anhand von Schmerzen schon merkt, wenn es zuviel wird, der spielt Roulette und muss sich nachher nicht über eine Verschlechterung der Situation wundern.  (vgl. dazu das „Leitplanken-Modell“ im Blogbeitrag vom 17.12.2013)

Regel 3: Langsamer und stufenweiser Belastungsaufbau

Ein einfaches Belastungsschema für den Aufbau kann so aussehen: Alle zwei Tage eine bewährte Belastung für 10 bis 14 Tage und anschliessend eine moderate Erhöhung. Das Prinzip „keine spürbar verstärkte Reizung nach dem Training und auch nicht am anderen Tag“ bleibt sich gleich.

Regel 4: Keine übermütigen Übertreibungen

Eine immer vorhandene Klippe ist der Übermut. Wie schnell passiert es, dass man, weil es sich gerade so schön und schmerzfrei läuft, schwimmt oder fährt, alle Vorsätze vergisst und auf eine Zusatzrunde einschwenkt. Hinkend bereut man die Unachtsamkeit am anderen Morgen zutiefst.

Neben diesem gezielten Aufbauprogramm können je nach Ausmass und Dauer der Problematik Zusatzmassnahmen angesagt sein. Ein Muskelaufbauprogramm, ein Koordinationstraining und gezielte Taping-Anwendungen in der Physiotherapie können die Steuerung der Kniescheibe durch die knienahen Muskeln verbessern. Die Behandlung von Triggerpunkten in der Muskulatur, spezielle Massagetechniken und trockene Bürstenmassagen können die Heilungsprozesse im Gewebe unterstützen. Alle diese Massnahmen helfen aber nur sehr beschränkt, wenn die vier entscheidenden Punkte beim Trainingsaufbau nicht eingehalten werden.

9 Kommentare to “Knieschmerzen/Kniescheibe/ Chondropathia Patellae
Meine Kniescheibe schmerzt – Wie werde ich das Problem wieder los?”

  1. F.Giacomello schrieb:

    Guten Tag Herr Reich,
    ich möchte mich nochmals für die Konsultation bedanken. Sie wahr lehreich und ich hoffe auch hilfreich. Ein Anliegen noch zum Trainingsprogramm: haben Sie das auch in schriftlicher Form, das würde mir helfen bei der Umsetzung. Mit freundlichen Grüssen

  2. creich schrieb:

    Guten Tag Herr Giacomello
    Ich habe ein Video mit dem Knieprogramm auf YouTube gestellt. Sie finden es unter
    http://www.youtube.com/watch?v=SVaByC-hDo0
    Viel Erfolg dem Aufbautraining und herzliche Grüsse
    Christoph Reich

  3. Koller schrieb:

    Sehr geerter Herr Reich.
    Ich habe seit 2 Wochen Schmerzen im vorderen seitlichen Teil meines Knies hauptsache ím Weichbereich, ich vermute dass ich mein Knie überfordert habe, da ich im Winter nicht radfahren gehe dachte ich, dann mache ich eben Fusstouren und das habe ich dann auch gemacht. Zuerst bin ich kleinere Strecken gelaufen und meisten immer sehr steil bergauf und dann wieder hinunter, das waren zuerst 6 km dann habe ich es gesteigert und zuletzt habe ich 15 km gemacht bergauf im Schnee auf Naturstrassen im Wald. Jetzt habe ich Probleme beim Treppensteigen und habe nachher immer starken Schmerzen.
    Mit freundlichen Grüssen
    H. Koller

  4. creich schrieb:

    Guten Tag Herr Koller
    Alles spricht dafür, dass Ihre Eigendiagnose stimmt. Auf Distanz ist es schwierig zu entscheiden, ob es auch bei Ihnen um
    die Kniescheibe geht. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch gross, da eine schmerzhafte Kniescheibe häufig auch vorn/seitliche
    Schmerzen verursachen kann.
    Die Situation anzugehen, mit dem in diesem Blog beschriebenen Belastungsaufbau ist in keinem Fall falsch. Wenn es nicht
    funktionert, braucht es dann doch eine Untersuchung.
    Viele Grüsse
    Christoph Reich

  5. Bea Latal schrieb:

    lieber Herr Reich
    Jetzt sind eine Woche Langlaufferien im Engadin vorüber. Nachdem ich regelmässig bei Ueberlastung ein geschwollenes Knie hatte, war ich bei Ihnen. Ihr Bankkontomodell (siehe Regel 1) und die anderen, oben beschriebenen Regeln, sind so einleuchtend wie simpel. Ich habe mich daran gehalten und vor dem Sport überlegt, wie lange ich was machen kann. Damit ging es bestens und ich hatte zum ersten Mal kein geschwollenes Knie und deutlich weniger Schmerzen. Es ist toll, dass es funktioniert und ich weiss, dass ich regelmässig Sport machen kann. Ich muss nur überlegen, was mein Knie / Körper verträgt.
    Vielen Dank!
    Bea Latal

  6. Daniel Zürcher schrieb:

    Sehr geehrter Herr Reich,
    Auch ich habe Knieschmerzen, jedoch ausnahmslos im linken, von mir aus gesehen. Aber nur bei längerem herunterlaufen bei Bergtouren.
    Nach ca, 2 Tagen ist der Schmerz weg.
    Nun seit neustem fahre ich wieder Velo nach längerem unterbruch. Nun beim fahren ca 30 Min. Hatte ich den gleichen schmerz wie beim längerem herunterlaufen eines Berges. Nach pausen, ging es wieder, aber nicht lange dann kam der Schmerz wieder.
    Nun es könnte sein, das ich ich nicht mehr gewöhnt bin ans Velofahren. Nur irritiert mich, warum immer das linke, beim rechten habe ich nie Schmerzen.
    Es kommt jedoch dazu das ich vor über 30 Jahren mein linkes Knie verletzt habe beim Kanufahren.
    Nun soll ich probieren weiter Velozu fahren also üben und immer grössere Touren, oder gleich ein spezialisten aufsuchen?

    Besten Dank für Ihre Unterstützung im voraus.

    Mit freundlichen Grüssen
    Daniel Zürcher

  7. creich schrieb:

    Guten Tag Herr Zürcher
    Ihre Schilderung spricht dafür, dass Ihr linkes Kniegelenk nie die ähnlich grosse Belastbarkeit
    wie das rechte erreicht hat, seit Sie das Problem haben. Ihre Interpretation, dass die grösser Pause
    seit dem letzten mal Velofahren mit dieser Schmerzphase zu tun hat, kann ich nur teilen.
    Sie können sehr wohl einen Versuch machen mit dem Aufbau gemäss diesem Blog und nur dann eine Abklärung
    veranlassen, wenn Sie nicht wirklich fortschritte machen.
    Viele Grüsse
    Christoph Reich

  8. Deborah Kresov schrieb:

    Sehr geehrter Herr Reich!

    Ich habe seit ich mit 14 einen Sportunfall hatte, bei dem beide Knie ziemlicher Außeneinwirkung ausgesetzt waren, immer mal wieder Schmerzen, gesondert im linken, konnte mich damit aber arrangieren.

    Ich habe vor 2 Jahren begonnen regelmäßig 1x die Woche Zumba zu tanzen, auch da nur ab und zu Probleme, dann habe ich mal ausgesetzt, dann ging es wieder.
    Jetzt habe ich seit 2 Wochen Schmerzen im vorderen Bereich beider (!) Knien, die mal aushaltbar sind, mal so stark, dass ich nicht mal mehr weiß, wie ich ohne Schmerzen noch liegen soll und mir die Tränen kommen.

    Der Orthopäde sagt aber, das wäre eine Patelladysphonie die „zu gut zum operieren“ sei und ich solle halt jedes Mal, wenn sie da sind einfach Umschläge machen, 3x/Tag 600er Ibus nehmen, 4-5 Tage lang, und habe Einlagen tragen. Die Tabletten (und Umschläge) wirken aber nicht und zusätzlich verursachen sie Nebenwirkungen, die mich noch schlechter fühlen lassen.

    Das bekämpft auch nur die Symptome, nicht die Ursache. Die Schmerzen habe ich auch erst seit dem Sportunfall.

    Zusätzlich soll ich Sport machen, aber wie, wenn ich nicht einmal schmerzfrei gehen kann?
    Bevor das vor 2 Wochen wieder anfing und so akut wurde, war ich sportlich regelmäßig und gern aktiv und habe auch trainierte Oberschenkel.

    Was kann ich tun, damit die Schmerzen aufhören? Welche Möglichkeiten habe ich?

    Mit freundlichen Grüßen
    Deborah Kresov

  9. creich schrieb:

    Guten Tag Frau Kresov
    Die Idee des Blog ist, dass auch Leute, die nicht Patienten von mir sind, von den Informationen profitieren können. Für Ihre Frage finden Sie die Antwort im Blogbeitrag selber. Mein Konzept, wie ich es auch für sie einsetzen würde, ist da detailliert beschrieben. Zudem sollten Sie für Ihre Frage noch den Blogbeitrag zum Bankkontomodell lesen.
    Vielen Grüsse
    Christoph Reich

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