Rücken / Nacken / Schlaf / Bett
Schlafposition und Bettenqualität als wirksame Behandlung

Vor allem bei Rücken- und Schulterproblemen kann häufig mit einer Veränderung der Schlafposition oder einem anderen Bett rasch eine Linderung erzielt werden. Die Beantwortung der Frage „Wann, was?“ ist allerdings sehr knifflig.

Schlaf und Bett können auf verschiedene Weise Schmerzen verursachen und beeinflussen. Es ist nicht immer einfach, diese Zusammenhänge zu ergründen. Eine Übersicht mit möglichen Strategien findet sich im Beitrag „Schlaf und Bett als Schmerzursache“.

Weil der Schlaf naturgemäss mit vielen unbewussten Verhaltensweisen einhergeht, ist es häufig nicht ganz einfach, die im Einzelfall richtigen Massnahmen heraus zu finden. Im Zentrum steht die Auswertung der Erfahrungen und Beobachtungen der Patientin und des Patienten. Eine wichtige Informationsquelle sind zudem Testmassnahmen, die versuchen die Symptome zu reduzieren oder provozieren.

Die vielversprechendsten Fragen und Tests sollen hier besprochen werden.

1. Beobachten der Schlafposition und eventueller Zusammenhänge zu Schmerzen

Wie gut eine Person zum Schlaf und zu den Schlafpositionen Angaben machen kann, hängt stark von der Schlafqualität ab. Wer tief und gut schläft, kann meistens kaum Aussagen machen. Wer sehr oberflächlich schläft, kann relativ zuverlässige Aussagen machen, wobei auch hier die Tiefschlafphase eine Black-Box darstellt. Studien haben gezeigt, dass schlechte Schläfer und Schläferinnen die Zeitdauer, während der sie effektiv schlafen, deutlich unterschätzen. Andererseits glauben sie genau zu wissen, in welchen Positionen sie wie lange liegen.
Einzelne Patienten wissen genau, welche Position sich für sie ungünstig und schmerzverstärkend auswirkt. Andere können wenigstens sagen, welche Position suspekt ist.

2. Ein Liegetest tagsüber zur Unterscheidung von günstigen und ungünstigen Positionen

Eine Möglichkeit einen Schritt zur Klärung zu machen, ist ein Liegetest tagsüber. Das kann zum Beispiel bedeuten, eine suspekte Position tagsüber für mindestens eine Stunde einzunehmen und die Auswirkungen zu beobachten.  Selbstverständlich können so auch mal mehrere Positionen getestet werden.

3. Beobachtung der Erfahrungen in einem anderen Bett (Ferien, Gästebett, Matratze auf dem Boden)

Wichtige Informationen zum Einfluss des Bettes können die Erfahrungen aus den Ferien oder von Hotelübernachtungen liefern. Der Vergleich kann Hinweise darauf geben, ob eventuell das heimische Bett zum Beispiel zu hart oder zu weich ist.
Im gleichen Sinn können Nächte im Gästebett oder im Bett der erwachsenen Kinder Hinweise darauf geben, ob das eigene Bett Verbesserungspotential hat. Besteht der Verdacht, dass das aktuelle Bett eher zu weich sein könnte, kann auch mal die Übernachtung auf der auf dem Boden platzierten Matratze neue Informationen liefern.

4. Abstützen der Seitenlage mit einem Seitenschläferkissen

Ein Seitenschläfer- oder „Stillkissen“ gibt dem Schläfer die Möglichkeit das obere Bein auf dem Kissen zu lagern. Damit wird die Beckenstellung stabilisiert und ein Kippen nach vorn verhindert. Das Kissen sollte unbedingt bis zum Brustbein reichen. Nur so kann das Bein auch abgestützt werden, wenn im Schlaf unbewusst das Knie Richtung Brustbein hochgezogen wird.
Damit solche Kissen wirken, müssen sie nicht lückenlos die ganze Nacht am richtigen Ort liegen. Umgekehrt braucht es bei sehr unruhigen Schläfern manchmal eine Befestigungsmöglichkeit an einem der Oberschenkel, sonst liegt das Kissen die
ganze Nacht neben dem Bett am Boden.

5. Störungsmassahmen für einzelne verdächtige Schlafpositionen

Wegen der meist unbewussten Wahl der Schlafposition im Laufe der Nacht und ganz speziell in der Tiefschlafphase, braucht es Möglichkeiten, darauf von aussen Einfluss zu nehmen. Ähnlich wie es gelegentlich bei Schnarchern gemacht wird, kann mit der gezielten Platzierung eines störenden Gegenstandes zum Beispiel die Rückenlage vermieden werden. Bewährt hat sich ein grosser Spraydosendeckel oder ein Unihockeyball in eine Socke platziert, fixiert mit zwei grossen Sicherheitsnadeln an einem eher engen T-Shirt oder Pyjama.
Genau gleich kann man vorgehen, um die Bauchlage oder eine der Seitenlagen zu vermeiden.

6. Aufzeichnung der Schlafpositionen

Technisch ist es möglich, mit einem Messgerät die Schlafposition aufzuzeichnen und anschliessend die Graphik auszuwerten. Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz einer Überwachungskamera mit Bewegungsmelder. Damit lässt sich, immer wenn sich die Testperson bewegt, für zwei Sekunden ein Video aufzeichnen.

7. Bewusste Entlastungshaltung für mindestens 20 Minuten vor dem Einschlafen

Wenn vermutlich die Erholung der Nacht nicht reicht, um den über den Tag entstandenen Reizzustand zu beruhigen, kann es sinnvoll sein, vor dem Schlafen ganz bewusst den Rücken in einer entlastenden Stellung zu entspannen, statt nochmals wie schon den ganzen Tag auf einem Stuhl am Tisch zu sitzen. Geeignet dafür ist eine entlastete „Liegestuhlstellung“ mit gleichzeitig gebeugter Stellung in den Knie- und Hüftgelenken.

Die Abklärung von Zusammenhängen zwischen Schmerz und Schlaf oder Bett ist immer als eine Ebene neben anderen zu sehen. Genauso wichtig ist die Behandlung von Muskelverspannungen, Beweglichkeitsstörungen an der Wirbelsäule und die Verbesserung der Körperhaltung sowie des Trainingszustandes der Muskulatur. Umgekehrt kann eine ungünstige Schlafposition oder eine schlechte Bettensituation den Effekt all der anderen Behandlungen während der Nacht immer wieder zunichte machen.

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3 Kommentare to “Rücken / Nacken / Schlaf / Bett
Schlafposition und Bettenqualität als wirksame Behandlung”

  1. Thomas Schenk schrieb:

    Dr. Reich versteht es, körperliche Beschwerden mit geschickten Anpassungen des eigenen Verhaltens zu beheben, ohne gleich Medikamente einzusetzen. Bei meinen Bandscheibenbeschwerden riet er mir zuerst dazu, ein Seitenschläferkissen einzusetzen, um damit die Schlafposition zu verändern. Hinzu kamen diverse kleine Anpassungen, von der richtigen Haltung im Sitzen und Stehen bis zu Kurzpausen.

    Die Besserung trat zwar nicht sofort ein. Schwierig, das heisst belastend war dabei, dass die Gefühlsstörungen im Bein nach einer Überlastung (z.B. zu langem Sitzen in unveränderter Position in einem Konzert) erst verzögert auftraten, dann aber mehrere Tage lang anhielten.

    Doch nach ein paar Wochen begannen die Anpassungen zu wirken, auch dank der Unterstützung durch Physiotherapie. Die Besserung zeigte sich darin, dass ich die Irritation nach einer zu grossen Anstrengung schneller spürte. Im Gegenzug verschwanden die Beschwerden auch schneller wieder. Das heisst, der Schmerz wurde agiler. Dadurch gelingt es, Kontrolle über die Schmerzen zu gewinnen. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, wieder beschwerdefrei zu werden.

  2. Frederic Meyer schrieb:

    Nach monatelangen Schmerzen im rechten Schienbein, hat sich mein Zustand markant verbessert. Durch den Einsatz eines Seitenschläferkissens in der Nacht, sowie Übungen, den fünften Lendenwirbel zu mobilisieren, haben sich meine Schmerzen innert kurzer Zeit extrem verringert. Hinzu kommt eine bewusstere Haltung am Computer.
    Den Zusammenhang zwischen Lendenwirbel und Schienbeinschmerz hat bisher niemand hergestellt.
    Das fast vollständige Verschwinden des Schienbeinschmerzes mit diesen Massnahmen im Alltag und ohne Verschreibung von Medikamenten, verdanke ich Ihnen Herr Reich.
    Vielen herzlichen Dank.

  3. creich schrieb:

    Danke für die Rückmeldung und alles Gute
    Christoph Reich

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